Profifußball und dann? Teil 2: Die Lösung(en)

Profifußball und dann? Teil 2: Die Lösung(en)

Die Möglichkeiten zur Verbindung zwischen Berufsausbildung und Profifußball sind, wie ich im ersten Teil meiner Artikelserie erwähnt habe, nicht zahlreich und alles andere als optimal. Im Profifußball ist ein Spieler bei dieser Herausforderung mehr oder weniger auf sich allein gestellt und er muss sich seine eigene Lösung bauen – möglichst ohne Einbußen der sportlichen Qualität. Wie, wann und ob er sie überhaupt in Angriff nimmt, ist dementsprechend sehr unterschiedlich. Fakt ist aber:

Die meisten Profifußballer machen sich viel zu spät darüber Gedanken, wie es nach der sportlichen Karriere weitergehen soll. Viele lassen ihre Karriere laufen, versuchen sowohl sportlich als auch finanziell das Bestmöglichste herauszuholen und leben fast ausschließlich für den Fußball.

Signale des Körpers

Da wird schnell einmal vergessen, dass der menschliche Körper einem Verschleißprozess unterliegt und keine sportliche Karriere ewig dauern kann. Nach vielen Jahren der körperlichen und mentalen Höchstleistung gibt dir dein Körper irgendwann das Signal, dass ein Ende naht – bei dem einen früher, durch Verletzungen oder Verschleiß, bei dem anderen später. Mit 30 gehört man heutzutage schon zum alten Eisen. Und allerspätestens dann sollte man sich Gedanken darüber machen, wie der Übergang ins Berufsleben erfolgreich gemeistert werden kann.

Entweder-oder

Gerade viele junge Fußballer stehen nach dem Abitur vor der kniffligen Entscheidung: entweder voll und ganz auf die Karte Fußball setzen und seine Brötchen damit verdienen oder doch nebenbei eine Berufsausbildung machen und in jenen semiprofessionellen Vereinen kicken, die dies unterstützen. Keine einfache Entscheidung für einen ehrgeizigen jungen Menschen, dem die Fußballwelt, in welche Richtung auch immer, noch offen zu stehen scheint.

Mit der Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium verabschiedet man sich zwar nicht automatisch vom Traum Bundesliga. Aber aus der Erfahrung heraus ist es sehr schwer, nochmal in den Kreis der Elite zu gelangen, wenn man sich einmal für den vermeintlich vernünftigeren Weg entschieden hat. Leider.

Mein Weg

Ich persönlich kann sagen, dass es in jungen Jahren, wenn man kurz vor dem großen Tor zur Bundesliga steht, wirklich schwer fällt, an solche scheinbar unwichtigen Dinge wie sein Berufsleben zu denken. Doch gerade dann ist es umso wichtiger, die eigene berufliche Ausbildung wenigstens im Hinterkopf zu behalten. Nach anfänglichen Bundesligaträumen mit 20 habe so auch ich relativ früh erkannt, dass es bis ganz nach oben enorm schwer wird und neben Talent noch viele andere Faktoren eine Rolle spielen. Deshalb begann ich, neben dem Profisport ein Fernstudium zu absolvieren. War das Angebot solcher Studiengänge zum damaligen Zeitpunkt noch relativ überschaubar, schießen heutzutage immer mehr verschiedene Arten von Fernstudiengängen aus dem Boden. Das ist gut und wichtig, aber…

Fernstudium als perfekte Lösung?

…auch ein Fernstudium ist nicht der ideale Weg. Zwar bekommt man, je nach Studieninhalt, einen kleinen Eindruck von der Welt außerhalb des Fußballs – aber als praxisnah kann man solch ein Studium wohl auch nicht wirklich bezeichnen, wenn man geforderte Praktika aus naheliegenden bekannten Gründen nicht wahrnehmen kann und teilweise selbst Online-Seminare für Trainingseinheiten geschwänzt werden müssen. Zudem ist es schwer, sich regelmäßig nach kräftezehrenden Tagen (die in der Sommer- und Wintervorbereitung auch gerne mal acht bis zwölf Stunden dauern können), wenn der Körper am Abend nach Regeneration schreit, halbwegs anspruchsvolle Stoffe eigenständig in den Kopf zu hämmern. Um den Profisport aber weiterhin ausüben zu können, muss das in Kauf genommen werden. Die dafür nötige enorme Selbstdisziplin und Eigenmotivation ist aber nicht jedermanns Sache und so kann es eben dazu kommen, das eins von beidem qualitativ auf der Strecke bleibt. Am Ende ist jeder froh, wenn er seinen Abschluss geschafft hat und die volle Konzentration wieder dem Fußball gilt.

Abschluss geschafft und nun?

Mit reinem Gewissen lässt es sich befreit Fußball spielen und alle Fokussierung kann wieder auf dem Sport liegen. Aber je nachdem, wie lange die Karriere eines Einzelnen dauert und wann er seinen Abschluss gemacht hat, kann es durchaus sein, dass er erst mehrere Jahre danach auf Wissen und Inhalte zugreifen wird, um einen Job zu erlangen. Und wie schnell sich die Dinge auf unserem Planeten ändern und entwickeln können, ist wohl jedem bekannt… Allein anhand der rasanten Technologieentwicklung kann man erkennen, wie schnell der Abschluss von heute morgen schon wieder von gestern sein könnte. Warst du gestern noch voll zufrieden mit Windows XP und den neuesten polyphonen Klingeltönen auf dem Handy, ist es heute schon eine Leistung, bei Windows 10, OS X El Capitan, iPad, iPhone und Co. nicht den Überblick zu verlieren. Und das spiegelt sich auch in vielen anderen Bereichen wider. Vielleicht nicht ganz in dieser rasanten Geschwindigkeit, doch egal in welchem Sektor: sich auf dem Abschluss von einst auszuruhen, funktioniert nicht. Es sei denn…

Vitamin B als Joker

…du verlässt dich auf dein Vitamin B. Und davon haben die meisten Fußballer ziemlich viel. Jahrelange Erfahrungen in den verschiedensten Vereinen, umgeben von immer wechselnden Personengruppen – da entstehen Verknüpfungen ohne Ende! Lenkt man das in die richtigen Bahnen, gibt es immer jemanden, der einen kennt, der einen sucht und dich einstellen würde. Genau darauf hofft die Mehrzahl der Fußballprofis. Demzufolge ist es nicht verwunderlich, dass mit Ex-Bundesliga-Kickern gespickte Fußballschulen gegründet werden, Vereine oder ehemalige Sponsoren freie Stellen mit Ex-Spielern besetzen und der (Nachwuchs-)Trainerjob auch bei Ehemaligen sehr beliebt ist.

Aber am Fall Matthäus („Der wird nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.“) sieht man: darauf verlassen darf man sich wohl auch nicht. Denn war man während der Karriere noch ein gefeierter Spieler mit vielen sogenannten „Freunden“, interessiert es nur die Wenigsten, was du danach anstellst. Es sei denn, du gehst ins Dschungelcamp 😉

Wie mein persönlicher Berufseinstieg gelaufen ist? Das erfahrt ihr nächste Woche…

 

Bildquelle: Shutterstock

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