Digitales Lernen für jede Altersgruppe – Wunsch oder Realität?

Digitales Lernen für jede Altersgruppe – Wunsch oder Realität?

In meinem letzten Blogbeitrag „Vom Kindergarten bis zur Arbeitswelt – digitales Lernen für jede Altersgruppe“ habe ich beschrieben, wie sich die Digitalisierung auf das Lernen auswirkt. Heute zeige ich die damit verbundenen Vorteile, Nachteile und Hürden auf.

Auch Lehrer müssen lernen…

…denn nur mit qualifizierten Lehrern können digitale Lernmodelle umgesetzt werden. Wie sieht aktuell die Situation an Schulen und Universitäten aus? Aufschluss gibt nachfolgende Grafik, welche auf einer repräsentativen Befragung von 505 Lehrern der Sekundarstufe I beruht.

Digitale Medien im Unterricht
Jeder zweite Lehrer gibt an, dass er gerne öfter digitale Medien im Unterricht nutzen würde. Am häufigsten scheitert dies an fehlenden Geräten.

Der Wille, digitale Medien im Unterricht einzusetzen, ist bei knapp der Hälfte der Befragten vorhanden. Am häufigsten scheitert dieser Vorsatz an der mangelnden Verfügbarkeit von Geräten oder an einer nicht ausreichenden Qualifizierung. 83 Prozent würden gerne an einer Weiterbildung teilnehmen, um ihre Kompetenzen zu erweitern. Außerdem äußerten 73 Prozent den Wunsch, bereits im Studium besser auf digitale Lernstrategien vorbereitet zu werden. Gefragt sind hier vor allem finanzielle Mittel und der Support höherer Instanzen.

Auch Hochschulen müssen sich im Zuge der digitalen Transformation Herausforderungen stellen. Mit orts-und zeitunabhängigen Vorlesungen entstanden in der Vergangenheit erste Ansätze, um die Lehre flexibler und individueller zu gestalten. Allerdings führen die sogenannten Moocs zu hohen Abbruchquoten. Das Modell dient nun als Grundlage für Verbesserungen und Weiterentwicklungen. Daraus sind Hybridlösungen wie beispielsweise der Flipped Classroom entstanden. Hier werden durch eine teilweise Präsenzpflicht die Nachteile der Moocs ausgehebelt.

Eine weitere Hürde im Rahmen der Digitalisierung des Lernens sprechen die Bildungsexperten Jörg Dräger und Ralph Müller-Eiselt in ihrem Buch „Die digitale Bildungsrevolution“ an. Zukünftig müssen Lernprogramme individuell auf Studenten zugeschnitten werden. Hierfür müssen Hochschulen Big Data nutzen. Das Sammeln persönlicher Daten birgt jedoch auch Gefahren.

„Das Optimieren von Lernwegen mag eine solch gigantische Datensammlung rechtfertigen, ebenso gerechtfertigt ist allerdings die Frage: Was passiert zukünftig mit diesen persönlichen Informationen?“

Vom E-Learning zum Smart Learning: Digitales Lernen in der Arbeitswelt

Auch Unternehmen stehen bei der Digitalisierung von Fort- und Weiterbildungen vor Hürden: Der Begriff E-Learning wurde in einer Zeit geprägt, in der die technische Ausstattung einer adäquaten Umsetzung dieser Lernmethoden nicht gerecht wurde. Als Resultat ist der Begriff mittlerweile häufig negativ belastet, eine Neuinterpretation ist erforderlich. Lernangebote müssen laut dem E-Learning-Experten Thomas Flum in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter integriert werden. Zudem müssen sie sich an konkreten Arbeitssituationen orientieren.

Beim Smart Learning verschwimmt der Arbeitsalltag z.B. mit den Lerninhalten: Kurze gerät- und ortsunabhängige Lerneinheiten werden in den Arbeitsalltag eingebunden und auf diesen abgestimmt. Unterstützt wird das Smart Learning durch soziale Netzwerke von Kollegen – hier findet ein Erfahrungs- und Wissensaustausch statt. Zudem stellt das System automatisch Kontaktdaten von Experten bereit, die bei Problemen weiterhelfen können. Durch smartes Lernen werden die Mitarbeiter in ihrem Alltag unterstützt. Sie werden genau in dem Moment weitergebildet, in dem eine Frage auftaucht. Ausgerichtet an individuellen Bedürfnissen und Wissensständen.

Vieles ist noch Wunschdenken

Die digitalen Lernangebote sind breit gefächert. Wohin exakt die Reise gehen wird, bleibt derzeit offen. Zu erkennen und festzuhalten ist jedoch, dass Schulen, Universitäten, Unternehmen und übergeordnete Instanzen noch jeder Menge ungelöster Herausforderungen gegenüberstehen. Die größte ist, den Entwicklungen der Umwelt und den Bedürfnissen der Menschen besser gerecht zu werden.

 

Bildquelle: Shutterstock

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